SOS-Kinderdorf hat in Sahnaya, einem relativ sicheren Randbezirk von Damaskus, ein Haus renoviert, welches im Frühling 2020 von 72 verwaisten und verlassenen Kindern und ihren SOS-Müttern und Betreuungspersonen bezogen werden konnte.
6.5 MILLIONEN KINDER

Vertrieben, auf der Flucht, traumatisiert

6.5 Millionen Kinder sind betroffen: In zehnten Jahr des Bürgerkriegs in Syrien leiden Kinder dramatisch unter den Folgen von Gewalt, Vertreibung und Hunger. Die Corona-Pandemie hat ihre Lage weiter verschlimmert.

Anlässlich der heutigen Brüsseler Syrienkonferenz fordert SOS-Kinderdorf die internationale Gemeinschaft auf, dringend Unterstützung und finanzielle Hilfen bereitzustellen, um Kindern in Not zu helfen.

«Das Leid der Menschen in Syrien nimmt kein Ende. Noch immer sind Millionen von Menschen im Land sowie in angrenzenden Regionen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Über 13 Millionen Syrer sind Flüchtlinge oder Binnenvertriebe - mit rund 6,5 Millionen sind darunter die Hälfte Kinder», Teresa Ngigi, Expertin für posttraumatische Belastungsstörungen der SOS-Kinderdörfer.

Die Auswirkungen der humanitären Notlage seien für Kinder verheerend. Laut UN-Angaben sind allein im vergangenen Jahr annährend 1.500 Kinder in den Kämpfen getötet oder verstümmelt worden. Krieg und Gewalt haben bei Kindern tiefe psychische Wunden hinterlassen. «Viele Kinder mussten miterleben, wie während des Krieges die eigenen Eltern, Geschwister und Freunde getötet wurden. Sie sind zutiefst traumatisiert und verzweifelt. Der Krieg hat den Kindern ihre Kindheit genommen», sagt Ngigi, die in Syrien Fachkräfte für den Umgang mit vom Krieg traumatisierten Kindern ausbildet.

Die Corona-Pandemie verschlimmert die Wirtschaftskrise und die Not vieler Familien und Kinder im Land. "Viele Menschen haben keine Arbeit und wissen nicht, wie sie ihre Familien ernähren sollen. Auf den Strassen sind viele Kinder, die hungern und betteln müssen, um zu überleben. Schulen sind zerstört, viele Menschen haben keinen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, weil sie es sich nicht leisten können. Viele Kinder können sich ein anderes Leben, als das, das sie jetzt erleben, nicht vorstellen", so Ngigi.

Ngigi: «Kinder, die solchen traumatischen Erfahrungen ausgesetzt waren, brauchen dringend Hilfe, um ihr Trauma zu verarbeiten. Sie brauchen Sicherheit und Schutz. Sie brauchen eine Perspektive, um wieder Hoffnung auf ein anderes, ein besseres Leben haben zu können.»

Die SOS-Kinderdörfer appellieren angesichts der katastrophalen humanitären Lage an die internationale Staatengemeinschaft, dringend benötigte Unterstützung für notleidende Kinder und Familien in Syrien sowie den Nachbarländern bereitzustellen. Notwendig ist insbesondere eine ausreichende Finanzierung von Massnahmen zur psychologischen Hilfe, um traumatisierten Kindern in Not zu unterstützen.

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