SOS-Kinderdorf Manaus

Obwohl Brasilien im Bereich der menschlichen Entwicklung in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt hat, leben nach wie vor Tausende Familien unter ├Ąu├čerst prek├Ąren sozio├Âkonomischen Bedingungen. Junge Menschen aus benachteiligten Familien sind besonders gef├Ąhrdet. Sowohl Eltern als auch Kinder sind auf Unterst├╝tzung angewiesen.

Eine Millionenstadt mitten im dichten Regenwald

L├Ąchelndes M├Ądchen in Manaus (Foto: P. Wittmann)
L├Ąchelndes M├Ądchen in Manaus (Foto: P. Wittmann)

Manaus ist die Hauptstadt des Bundestaates Amazonas im Norden Brasiliens und hat eine Bev├Âlkerung von etwa 1,9 Millionen. Die Stadt ist ein bedeutendes Finanz-, Handels- und Wirtschaftszentrum der Region und lockt viele Touristen an. Fast die H├Ąlfte der Bewohner der Amazonas-Region lebt in Manaus.

Die hohe Zuwanderungsquote aus dem Landesinneren hat zur Folge, dass Manaus einen hohen Prozentsatz an „indigener Stadtbev├Âlkerung” aufweist - Menschen, die auf der Suche nach Arbeit ihr traditionelles Leben zur├╝ckgelassen haben. Meist zerplatzt der Traum von einem besseren Leben. Viele landen in ├Ąrmlichen, behelfsm├Ą├čigen Unterk├╝nften. Lediglich 17 Prozent dieser Behausungen sind beispielsweise an die Kanalisation angeschlossen.

In dieser Region sind sexuell ├╝bertragbare Krankheiten, vor allem AIDS, besonders weit verbreitet. Lag die HIV-Infektionsrate 1994 noch bei 3,7 F├Ąllen pro 100 000 Einwohner, ist sie bis 2004 auf 15,7 gestiegen. Die Zahl der Neuansteckungen nimmt weiter zu. Aufkl├Ąrung ist in diesem Bereich daher dringend erforderlich.

Junge Menschen und Kinder ohne elterliche F├╝rsorge brauchen Unterst├╝tzung

Ein weiteres Problem von Manaus ist seine Rolle als wichtiger Drogenumschlagplatz f├╝r Schmuggler aus den Nachbarl├Ąndern Peru, Venezuela und Kolumbien, die auf ihrem Weg in die Gro├čst├Ądte des S├╝dens wie Rio de Janeiro das nur schlecht kontrollierbare Gebiet des Regenwaldes passieren. Dadurch sind die Verbrechens- und Mordraten stark gestiegen.
Auch der lokale Kokainkonsum hat stark zugenommen; vor allem junge Menschen sind davon betroffen. So mancher erliegt den Verlockungen des schnellen Geldes, mit denen Drogenh├Ąndler Jugendliche anwerben. Bevor sie es begreifen, sind sie tief im Netz von Gewalt und Drogen verstrickt.

Die Arbeit von SOS-Kinderdorf in Manaus zielt darauf ab, Familien bei der Versorgung ihrer Kinder zu unterst├╝tzen und vor der Zerr├╝ttung zu bewahren, sowie Kindern ohne elterliche F├╝rsorge ein liebevolles Zuhause zu bieten.

Unsere Arbeit in Manaus

Mutter und Tochter beim Mittagessen (Foto: P. Wittmann)
Mutter und Tochter beim Mittagessen (Foto: P. Wittmann)

SOS-Kinderdorf begann seine T├Ątigkeit in Manaus im Jahr 1994. Heute bietet das Sozialzentrum ein ganzheitliches und nachhaltiges Familienst├Ąrkungsprogramm, um die Not der lokalen Gemeinde zu lindern. Durch die Kindertagesst├Ątte und das Tagesm├╝tterprogramm werden Kinder betreut. Dadurch k├Ânnen berufst├Ątige Eltern und alleinerziehende M├╝tter ihre Kinder in sicherer Obhut lassen, w├Ąhrend sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Wir gehen dar├╝ber hinaus auf die Bed├╝rfnisse von Eltern ein und bieten Schulungen und Unterst├╝tzung f├╝r Erwachsene.

Kinder aus der Region, die nicht l├Ąnger bei ihren Eltern leben k├Ânnen, finden in den SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M├╝ttern f├╝rsorglich betreut.

Jungen Menschen, die ihren Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren m├Âchten, bietet unser SOS-Jugendprogramm die M├Âglichkeit betreuter Wohngemeinschaften. Hier k├Ânnen Heranwachsende ihre Zukunft planen, zunehmend Verantwortung ├╝bernehmen und sich auf ein Leben in Selbst├Ąndigkeit vorbereiten, w├Ąhrend sie dabei von qualifizierten JugendberaterInnen unterst├╝tzt werden.