
Am 7. Oktober 2023 begann der Konflikt zwischen Israel und bewaffneten palästinensischen Gruppen, insbesondere der Hamas. Diese Eskalation führte zu einer humanitären Krise ungeahnten Ausmasses, insbesondere im Gazastreifen, aber auch mit erheblichen Auswirkungen auf das Westjordanland und Jordanien.
Am 10. Oktober 2025 trat ein von den USA vermittelter Waffenstillstand in Kraft. Gemäss der Vereinbarung sollten nun folgende Aktivitäten stattfinden: Aufstockung der humanitären Hilfe, Freilassung von Geiseln und Gefangenen. Die kritische Situation ist sehr fragil.
Alle Kinder im Gaza-Streifen brauchen psychologische und psychosoziale Unterstützung. Rund eine Million Kinder sind von Depressionen, Angststörungen und Selbstmordgedanken betroffen und brauchen dringend Hilfe. Mehr als 17.000 Kinder sind unbegleitet oder von ihren Eltern getrennt. Die Zerstörung von Heimen, Gemeinschaften, sozialen Netzwerken und familiärem Zusammenhalt verschärft die traumatischen Erfahrungen zusätzlich. Experten rechnen auch mit erheblichen Folgen für die Entwicklung: Bei vielen Kindern ist mit einer Verzögerung von bis zu fünf Jahren in der schulischen Entwicklung zu rechnen.
Gaza und Westjordanland: Nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen und von OCHA gab es bis Oktober 2025 mindestens 68.234 Tote (darunter mehr als ein Viertel Kinder) und über 170.373 Verletzte. Nach Angaben des UNRWA sind rund 1,9 Millionen Menschen, etwa 90 % der Bevölkerung des Gazastreifens, Binnenvertriebene. 85 % wurden bereits mehrmals vertrieben und leben in überfüllten, unsicheren Unterkünften (oft einfache Zelte). Häuser, Schulen, medizinische Einrichtungen und lebenswichtige Infrastrukturen wurden beschädigt oder völlig zerstört.
SOS-Kinderdorf ist seit Jahren im Gazastreifen, im Westjordanland und in Jordanien vor Ort, um lebenswichtige Hilfe, psychologische Unterstützung und ein Zuhause für Waisenkinder zu leisten. Zu den wichtigsten Massnahmen gehören:
Lebensrettender Zugang zur Grundversorgung mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln
Bereitstellung von Notversorgungsdiensten für unbegleitete oder getrennte Kinder
Psychologische Unterstützung für Kinder und Familien
Bildungsprogramme für Kinder
Gazastreifen: Der Schwerpunkt der nächsten Schritte liegt auf der Wiederherstellung von Sicherheit und Perspektiven. Es besteht die dringende Notwendigkeit, getrennte Familien wieder zusammenzuführen, umfassende psychosoziale Unterstützung zu leisten und Soforthilfe wie Nahrungsmittel und medizinische Versorgung bereitzustellen. Die SOS-Kinderdörfer konzentrieren sich auch auf Programme, die Kindern durch Bildung, Freizeitaktivitäten und Unterstützung im Alltag Hoffnung und Stabilität geben.
Westjordanland: Neben der Integration der evakuierten Kinder setzt das SOS-Kinderdorf Bethlehem auch seine Arbeit mit den Kindern fort, die bereits dort lebten. Psychologische Hilfe, Bildungsinitiativen und eng koordinierte Programme mit lokalen Partnern wie Schulen und Ministerien gewährleisten eine ganzheitliche Betreuung aller Kinder.
Jordanien: Ziel ist es, 120 Kindern und ihren Familien in den SOS-Kinderdörfern in Jordanien eine lebensrettende Behandlung und eine sichere Unterkunft sowie umfassende psychosoziale und soziale Unterstützung zu bieten. Das Projekt schliesst eine entscheidende Versorgungslücke für besonders gefährdete Kinder aus dem Gaza-Streifen und ihre Mütter.
